Behandlung und Therapie von Hand- und Fingerbeschwerden – von Nervenengpässen über Sehnenerkrankungen bis zur Arthrose, ganzheitlich abgeklärt im MIO Medizin in Ober St. Veit.
Die Hand ist eines der komplexesten Werkzeuge des menschlichen Körpers – und entsprechend vielfältig sind die Beschwerden, die hier auftreten können. Nervenengpässe, Sehnenscheidenentzündungen, Arthrosen der kleinen Fingergelenke oder gutartige Gewebeveränderungen äußern sich oft schleichend und schränken den Alltag mit der Zeit deutlich ein.
Im Mittelpunkt steht eine genaue Abklärung der Ursache. Viele Handbeschwerden lassen sich zunächst konservativ behandeln; eine Operation kommt erst dann in Frage, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Im Folgenden finden Sie die häufigsten Krankheitsbilder im Bereich von Hand und Handgelenk.
Beim Karpaltunnelsyndrom handelt es sich um ein Nervenengpasssyndrom des Nervus medianus im Bereich des Handgelenkes. Patienten klagen typischerweise über Parästhesien (Missempfindungen) in Daumen, Zeige- und Mittelfinger (Finger I bis III). Der Ringfinger kann ebenfalls zur Hälfte betroffen sein. Üblicherweise klagen Patienten vor allem nachts über diese Beschwerden, wodurch die Nachtruhe häufig gestört wird. Betroffene berichten in solchen Fällen über eine Besserung der Beschwerden, nachdem sie die Hand ausschütteln (Brachialgia paraesthetica nocturna). Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Ein positives Tinel-Hoffmann-Zeichen beugeseitig über dem Handgelenk (Retinaculum flexorum) steht klinisch im Vordergrund. Bei diesem treten elektrisierende Empfindungen im Bereich der ersten drei Finger nach Beklopfen des beugeseitigen Handgelenkes auf. Weitere klinische Tests stellen der Phalen- und der reversed Phalen-Test dar, bei welchen eine Verstärkung der Missempfindungen in maximaler Handgelenksflexion oder -extensionsstellung auftritt. Ergänzend kann eine elektroneurographische Untersuchung (Nervenleitgeschwindigkeit, NLG, und ein Elektromyogramm, EMG) durchgeführt werden. Ein Röntgen ist zwar nicht mehr zwingend vorgeschrieben, sollte aber meiner Ansicht nach vor einer etwaigen Operation durchgeführt werden.
Anfangs können konservative Maßnahmen eingesetzt werden. Diese beinhalten in der Regel eine Handgelenksschiene bzw. Orthese zur Ruhigstellung vor allem nachts sowie lokale Injektionen mit Kortison.
Führen diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, wird eine operative Spaltung des über dem Handgelenkskanal verlaufenden Bandes (Retinaculum flexorum) durchgeführt. Diese kann offen oder endoskopisch erfolgen. Postoperativ kann eine Handgelenksschiene für zwei Wochen getragen werden. Alternativ erfolgt ein etwas dickerer Verband, um etwaige Extrembewegungen zu vermeiden. Außerdem sollten in den ersten sechs Wochen nach der Operation das Heben und Tragen von schweren Gegenständen (über 5 kg) sowie schwere manuelle Arbeiten unterlassen werden.
Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung, bei der die Fingerbeugesehnenscheide zirkulär über dem Grundgelenk eingeschnürt wird. Die Einengung erfolgt hierbei durch ein sogenanntes Ringband (A1), welches die Sehne am Knochen schient. Durch die Verdickung der Sehne kommt es zu einem abrupten Stopp vor dem Ringband über dem Grundgelenk. Bei forcierter weiterer Beugung kann es dann zum abrupten Durchgleiten des Fingers kommen, weshalb die Erkrankung auch schnellender Finger, Schnapp- oder Springfinger genannt wird.
Betroffene klagen über Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit des Fingers. Druckschmerzen bestehen meist über dem Grundgelenk. In den meisten Fällen ist eine aktive Beugung des Fingers möglich, die Streckung jedoch behindert. Patienten verwenden oft die andere Hand, um den Finger letztendlich wieder vollständig zu strecken.
Bei leichten Beschwerden empfiehlt sich eine lokale Infiltration des Ringbandes mit einem Lokalanästhetikum und Kortison. Bleiben die Beschwerden jedoch bestehen, wird eine Operation angeraten. Bei dieser erfolgt die operative Spaltung des sogenannten A1-Ringbandes.
Durch chronische Überbelastung kommt es daumenseitig zu einer schmerzhaften Schwellung am Handgelenk, welche einer Sehnenscheidenentzündung entspricht. Betroffen sind die Sehnen des ersten Strecksehnenfaches (Sehnen des Musculus abductor pollicis longus und extensor pollicis brevis). Frauen sind von dieser Erkrankung häufiger betroffen als Männer. Beschwerden können gehäuft im Rahmen einer Schwangerschaft oder postmenopausal auftreten.
Betroffene leiden unter bewegungsabhängigen Beschwerden und Druckschmerzen auf der Daumenseite des Handgelenks. Zudem können knirschende Geräusche im Sehnenverlauf auftreten. Zur Diagnose wird der sogenannte Finkelstein-Test herangezogen: Der Daumen wird hierbei in die Faust eingeschlagen und das Handgelenk Richtung kleinem Finger bewegt (Ulnarduktion). Bei einer Tendovaginitis stenosans de Quervain verursacht diese Bewegung deutliche Schmerzen im Bereich des ersten Strecksehnenfaches.
Zuerst werden die Beschwerden konservativ behandelt, das heißt mit Schienen und lokaler Verabreichung von Corticosteroiden. Zudem können Eisapplikationen und Topfenwickel als abschwellende und entzündungshemmende Maßnahmen angewendet werden. Nur wenn diese Therapien nicht ausreichend helfen, wird eine operative Spaltung des ersten Strecksehnenfaches vorgenommen.
Die Bouchard-Arthrose umschreibt die degenerative Abnützung des Fingermittelgelenks (proximales Interphalangealgelenk, PIP-Gelenk). Im Vergleich zur Heberden-Arthrose, welche die Abnützung des Fingerendgelenkes (distales Interphalangealgelenk, DIP-Gelenk) umschreibt, ist die Bouchard-Arthrose selten.
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in mehreren Fingermittelgelenken lassen auf eine Bouchard-Arthrose schließen. Im Zuge der weiteren Degeneration kann es auch zu Achsfehlstellungen im Gelenk kommen. Radiologisch zeigen sich zunächst eine Verschmälerung des Gelenksspaltes und knöcherne Anbauten (sogenannte Osteophyten).
Die Behandlung der Bouchard-Arthrose erfolgt – genau wie bei der Heberden-Arthrose – zunächst konservativ. Physikalische Maßnahmen wie z. B. Paraffinbäder sowie Bewegungsübungen sind anfangs ausreichend. In fortgeschrittenen Stadien bzw. bei anhaltenden Beschwerden nach Ausschöpfen der konservativen Maßnahmen kann ein Gelenksersatz mittels Silikonspacer oder eine operative Gelenkversteifung (Arthrodese) in Erwägung gezogen werden. Postoperativ erfolgt meist eine Ruhigstellung mittels Fingerschiene, welche bis zu sechs Wochen getragen werden soll.
Die Heberden-Arthrose umschreibt die Abnützung der Fingerendgelenke (distale Interphalangealgelenke, DIP).
Schmerzen und eine Verdickung der Fingerendgelenke sind nahezu beweisend für eine Heberden-Arthrose. Das Röntgen kann etwaige entzündliche Veränderungen wie z. B. Erosionen oder Usuren, welche bei der rein degenerativen Heberden-Arthrose in der Regel nicht vorhanden sind, als vermeintliche arthritische Komponente der Erkrankung zum Vorschein bringen. Diese können z. B. im Rahmen eines Strahlbefalls (sogenannte Daktylitis) einer Psoriasisarthritis auftreten.
Zunächst erfolgt eine konservative Therapie. Bei anhaltenden Beschwerden kann eine Gelenkversteifung (Arthrodese) durchgeführt werden. Die Nachbehandlung erfolgt mit einer Finger- oder sogenannten thermoplastischen Schiene für vier bis sechs Wochen.
Die Rhizarthrose beschreibt die degenerative Abnützung des sogenannten Daumensattelgelenkes. Die Abnützung tritt oft beidseits auf und ist zunächst von belastungsabhängigen Schmerzen gekennzeichnet. Mit zunehmender Abnützung kommt es auch zu Subluxationen (Teilverrenkung mit Fehlstellung) im Gelenk und zu Ruheschmerzen. Die Erkrankung tritt gehäuft bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr auf.
Die Diagnose richtet sich zunächst nach der Klinik mit den typischen Beschwerden im Bereich des Daumensattelgelenkes. Zusätzlich werden zur Bestimmung des Ausmaßes der Abnützung sowie einer vermeintlichen Subluxation Röntgenbilder angefertigt.
Wie fast immer werden zunächst konservative Maßnahmen eingeleitet. Neben lokalen und systemischen Applikationen von schmerz- und entzündungshemmenden Substanzen können Orthesen vor allem bei manuellen Tätigkeiten getragen werden (z. B. Rhizoloc-Schiene). Physikalische Maßnahmen sowie manuelle Therapien im Sinne von Traktionsbehandlungen (Zugbehandlungen) im Rahmen von Physiotherapien können die Symptome ebenfalls lindern. Sollten die konservativen Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt bringen bzw. anhaltende Beschwerden die Lebensqualität nachhaltig negativ beeinflussen, sollte eine Operation erwogen werden.
Es stehen hierbei grundsätzlich zwei teils konkurrierende Verfahren zur Verfügung. Zum einen die bis dato immer noch als Goldstandard angesehene Resektions-Interpositionsarthroplastik, bei welcher das sogenannte Vieleckbein (Os trapezium oder multangulum majus) entfernt und der dadurch entstandene Hohlraum in weiterer Folge mit einer Sehnenplastik aus der unmittelbaren Umgebung aufgefüllt wird. Die Sehne hat hierbei im Wesentlichen eine Platzhalterfunktion. Bei Modifikationen der Methode wurden teils auch künstliche Materialien wie Silikonspacer als Platzhalter verwendet. Weiters wurden Teile der Sehne als sogenannte Aufhängeplastik (Suspensionsarthroplastik) durch die Basis des ersten Mittelhandknochens geführt, um eine zusätzliche Stabilität zu gewährleisten. Sollte eine Suspension unterbleiben, kann zur Stabilisierung während der ersten vier Wochen ein temporärer Bohrdraht zwischen erstem und zweitem Mittelhandknochen gesetzt werden.
Die Nachbehandlung erfolgt wahlweise im Gips oder einer Orthese/Ergoschiene mit Daumeneinschluss für sechs Wochen postoperativ. Ab der zweiten Woche sind passive Übungen erlaubt, aktive Übungen können nach Gips- bzw. Schienenabnahme begonnen werden. Die unterschiedlichen Methoden bringen in etwa gleichwertige Ergebnisse. Zum anderen wird in jüngster Vergangenheit auch vermehrt der endoprothetische Gelenksersatz des Daumensattelgelenkes angeboten. Entscheidend hierfür ist eine ausreichende Knochensubstanz im Vieleckbein. Zudem empfiehlt sich die Prozedur eher bei Nichtrauchern und manuell nicht schwer arbeitenden Menschen.
Beim Morbus Dupuytren kommt es zu gutartigen Wucherungen im Bereich der Handinnenfläche. Es bilden sich vermeintliche Myofibroblasten, welche von der Palmarfaszie aus in Richtung Finger wachsen (Palmarfibromatose). Anfangs entstehen knotenartige Verdickungen, welche sich in weiterer Folge zu Strängen entwickeln. Die Stränge auf der Handinnenfläche werden mit der Zeit immer härter, Haut und Gelenkkapsel der Fingergelenke schrumpfen, sodass sich die Finger letztendlich nicht mehr vollständig strecken lassen. Am häufigsten sind der vierte und fünfte Finger betroffen. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Männer erkranken häufiger als Frauen, und Assoziationen mit Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Fettstoffwechselerkrankungen sowie Erkrankungen der Leber, z. B. nach Alkoholmissbrauch) werden beobachtet.
Der Morbus Dupuytren entwickelt sich meist langsam und bleibt über Jahre schmerzfrei. Das Erscheinungsbild der Knötchen in der Hohlhand ist allerdings so charakteristisch, dass die klinische Untersuchung in der Regel als beweisend gilt. Röntgenbilder bleiben Fällen von schweren Kontrakturen der Gelenke vorbehalten, um eine etwaige fixierte knöcherne Fehlstellung zu erfassen.
In den Anfangsstadien der Erkrankung, in welchen lediglich eine strangartige Verdickung ohne Bewegungseinschränkung besteht, werden eigenständige passive und aktive Streckübungen empfohlen. Bei beginnender Beugekontraktur der Finger können lokal Kortison oder Kollagenasen (Enzym eines Bakteriums, Clostridium histolyticum, welches den Strang aufzulösen vermag) in den Strang injiziert werden. Sollte diese Therapie nicht möglich oder nicht angezeigt sein, können in weiterer Folge die verhärteten und tastbaren Knoten bzw. Stränge an der Hand operativ entfernt werden. Nach der Operation können Streck- oder Quengelschienen sowie intensive Bewegungsübungen und Epoxid- oder Paraffinbäder zur Anwendung kommen.
In Analogie zur Palmaraponeurose gibt es eine Erkrankung, die die Fußsohle betrifft: Die sogenannte Plantarfibromatose wird Morbus Ledderhose genannt und kann in ähnlicher Weise behandelt werden.
Ein Handgelenksganglion, auch Überbein genannt, ist eine gutartige, mit gallertartiger Flüssigkeit gefüllte Ausstülpung (Gallertzyste) einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide am Handgelenk. Ganglien können grundsätzlich an nahezu allen Gelenken oder Sehnen des menschlichen Körpers entstehen. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Ursächlich kommt meist eine Vermehrung von Gelenksflüssigkeit oder Flüssigkeit in einer Sehnenscheide durch entzündlich-degenerative oder posttraumatische Prozesse in Frage. Die vermeintliche Druckerhöhung durch die Vermehrung der Flüssigkeit führt dann in weiterer Folge dazu, dass sich diese an einer Schwachstelle der Gelenkskapsel oder Sehnenscheide vorwölbt. Es gibt auch Fälle, in denen keine zugrunde liegende Erkrankung gefunden wird.
Die Diagnose ist in der Regel eine Blickdiagnose. Ein Röntgen sollte in aller Regel zur Beurteilung einer vermeintlich zugrunde liegenden Arthrose oder posttraumatischen Veränderung durchgeführt werden. Zusätzlich können eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und eine MRT, gegebenenfalls mit Kontrastmittel, zum Ausschluss anderer Erkrankungen veranlasst werden.
In den meisten Fällen ist keine operative Versorgung notwendig. Die Schwellung kann belastungsabhängig an Größe variieren und teils auch spontan wieder verschwinden. Zusätzlich kann gegebenenfalls eine Punktion mit anschließender Instillation von Kortison erfolgen. Sollte die Schwellung Beschwerden, z. B. durch Druck auf umliegende Strukturen, verursachen oder kosmetisch als störend empfunden werden, kann das Ganglion im Rahmen einer sogenannten Exstirpation entfernt werden. Postoperativ kann eine Ruhigstellung mittels Schiene oder Orthese bis zur gesicherten Wundheilung hilfreich sein (10 bis 14 Tage).
Für einen Termin als Wahlarztpatient:in ist keine Überweisung erforderlich – Sie können direkt einen Termin vereinbaren. Für bestimmte Untersuchungen kann eine Zuweisung sinnvoll sein; das besprechen wir individuell im Rahmen der Ordination.
In vielen Fällen nicht. Zahlreiche Handbeschwerden lassen sich zunächst konservativ behandeln, etwa mit Schienen, Infiltrationen und physikalischer Therapie. Eine Operation wird erst empfohlen, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen.
Bringen Sie bitte vorhandene Befunde sowie Röntgen- oder andere Bilder Ihrer Hand mit, außerdem eine Liste Ihrer aktuellen Medikamente. Bequeme Kleidung erleichtert die Untersuchung.
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